Bonsai-Erde (Substrat)

Vorwort:

Lange Zeit habe ich mich nicht sonderlich um die Beschaffenheit meiner Bonsai-Erde gekümmert. Da habe ich genommen was mir an Erde unter die Finger gekommen ist. Mal fertige Bonsai-Erde aus dem Fachhandel, mal gesiebte Erde aus dem Komposthaufen usw. Doch damit gab es immer wieder Probleme mit Staunässe, Trockenheit, Mangelerscheinungen und ein versalzen der Erde durch nicht ausgespülten Dünger. Ob mir Bäume dadurch eingegangen sind lässt sich im Nachhinein schwer sagen, aber möglich ist es schon.

Früher dachte man einfach Erde ist das Beste für die Bäume, evtl. fügte man noch etwas Lehm, Sand oder Kies hinzu.  In vielen alten Bonsai-Büchern wurde der Erde nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt, meistens wird wirklich empfohlen Erde mit etwas Lehm und/oder Sand zu mischen und das war es dann auch schon. Einzig das Mischungsverhältnis wurde den unterschiedlichen Pflanzenarten etwas angepasst


Das obige Foto zeigt eine solche Erde, die aus heutiger Sicht als Pflanzsubstrat für Bonsai nicht geeignet ist.

Vor einiger Zeit kamen dann aber Diskussionen über sogenannte moderne Substrate auf, die aus heutiger Sicht ein optimales Wachstum für Pflanzen garantieren. Dies gilt natürlich nicht nur für Bonsai, sondern eigentlich für alle in Töpfen gehaltenen Pflanzen. Die Wissenschaft ist heute viel weiter als vor 20 Jahren und dieses Wissen wird nun auch für Bonsai mit viel Erfolg umgesetzt.
Man darf die Bonsaierde nicht alleine für sich sehen, sondern immer im Kontext mir dem Wässern und Düngen der Bonsai.
Was braucht ein Baum überhaupt zum Leben?

– Licht für Photosysnthese(Kohlenstoffdioxid wird mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht in Sauerstoff umgewandelt)
Platz für seine Wurzeln (Wurzelwachstum)
– Mineralstoffe (Nährstoffe)
die über die Wurzeln (Haarwurzeln) und zum Teil die Blätter aufgenommen werden.
– Wasser
– Sauerstoff
(die Wurzeln nehmen auch Sauerstoff auf, Stichwort: Zellatmung)

Welche Aufgaben übernehmen nun die verschiedenen Teile des Bonsai:

Die Wurzeln nehmen Wasser, Mineralstoffe und Sauerstoff auf.
Der Stamm trägt nicht nur die Krone sondern dient auch zum Transport der verschiedenen Stoffe wie Wasser, Mineralstoffe und Assimilate sondern er dient auch als Speicher.
Die Krone trägt sozusagen die Blätter wo die eigentliche Nahrungsproduktion (Photosysnthese) stattfindet.

Was muss ein Bonsai-Substrat überhaupt  können?

Es muss Feuchtigkeitsregulierend und Wasserdurchlässig sein um Staunässe zu vermeiden, aber auch genug Wasser speichern können um die Bäume den Tag über mit der notwendigen Feuchtigkeit versorgen zu können. Es sollte sich nicht zu schnell zersetzen am besten unverrotbar sein, über eine lange  Zeit Formstabil bleiben und es sollte nicht zu schwer sein um auch große Schalen oder Pflanzbehälter damit füllen und vor allem transportieren zu können.
Das Substrat muss Luftdurchlässig sein um die Wurzeln auch mit Sauerstoff versorgen zu können. Diese Luftdurchlässigkeit sorgt auch mit dafür das keine Staunässe entstehen kann.
Das Substrat muß in der Lage sein genügend Nährstoffe im Boden zu halten, die über Düngegaben in den Boden gelangen.
Es sollte den Pflanzen, also den Wurzeln den notwendigen halt geben können und  es sollte nach Möglichkeit wieder verwendbar sein.
Außerdem sollte es in verschiedenen Körnungen/Größen verfügbar sein um für die verschieden großen Bonsai das jeweils richtige Substrat mischen zu können. Wenn es sich dann noch um einen natürlichen Rohstoff handelt, der Pflanzenbiologisch und gesundheitlich unbedenklich ist sind alle Vorrausetzungen zu 100% erfüllt.
Wenn man das so zum ersten Mal hört, denken viele das es eine Wissenschaft sei die richtige Erde herzustellen. Aber weit gefehlt.

Welche Materialien gibt es die oben genannte Ansprüche erfüllen?

Anorganische Substrate (Diese geben dem Substrat die Struktur und erfüllen unsere oben genannten Anforderungen):

  • Lava (gebrochen)
    Die Bilder zeigen die schon fertig gesiebten Körnungen
  • Bims-Kies
    Die Bilder zeigen die schon fertig gesiebten Körnungen
  • Zeolith
  • Fibotherm oder Maxit (Blähton Trockenschüttung)

    Perlite (Wird aus Perlitgestein gewonnen)
  • Akadama (bedingt, da es sich durch Frosteinwirkung und Alterung doch zersetzen kann. Pflanzen in reines Akadama zu setzen kann ich deshalb nicht empfehlen, als Zusatzstoff aber gut zu gebrauchen)
    Die Bilder zeigen die schon fertig gesiebten Körnungen
  • Kanuma (Hierbei handelt es sich um eine japanische Bonsai-Erde für Azaleen und andere Moorbeet-Pflanzen)
  • Kiryu (Hierbei handelt es sich um eine japanische Bonsai-Erde für  Kiefern (Pinus) und Wacholder (Juniperus) )

Woher nimmt der Baum seine Nährstoffe?

Organische Substrate (Der lebende Teil unseres Substrates, Lebensraum für Mikroorganismen, von hier holen die Pflanzen einen Teil ihrer Nahrung usw.):

  • Weißtorf (dieser ist ohne Düngezugaben)

  • Rindenhumus (Diesen bevorzuge ich selber)
  • Kokoserde

Wo bekomme ich die Materialien.

Wessßtorf und Rindenhumus gibt es in jeder guten Baumschule.
Lava-Bruch und Bims-Kies ist schon schwieriger zu beschaffen.
Lava-Bruch kann man in einigen Baumärkten im Winter als Streugut bekommen, welches aber meistens nur Korngrößen bis 3mm aufweist. Ich besorge mir davon trotzdem 2 oder 3 Säcke da es preiswert ist und für kleinere Bonsai und Beistellpflanzen gut genommen werden kann.
Lava und Bims in verschiedenen Größen gibt es z.B. bei Vulkatec
Fibotherm, Maxit oder Perlite bekommt man im guten Baustoffhandel als Trockenschüttung.

 

Was ist mit Düngen? Worauf ist bei diesen Substraten zu achten!

Bei diesen modernen Substraten ist eine erhöhte Aufmerksamkeit auf das Düngen zu richten, umso höher der mineralische Anteil ist. Die im Wasser gelösten Nährstoffe werden durch die gute Wasserdurchlässigkeit natürlich auch schneller ausgewaschen und stehen dem Bonsai dann natürlich nicht mehr zur Verfügung. Dieser kleine Nachteil verhindert aber auch ein versalzen des Substrates durch zu viel gebundenen Dünger.
Wenn mit Flüssigdünger gedüngt wird sollte auf kleiner Mengen, aber mehrmalige Düngegaben umgestellt werden. Wenn man also bisher 1x im Monat gedüngt hat sollte man mit dem neuen Substrat lieber  1x die Woche mit 1/4 der Menge düngen.
Empfehlenswert ist der Einsatz von organischem Düngekugeln, z.B. Biogold (N-5.5 P-6.5 K-3.5 ) oder Saidung (ULTRA: Stickstoffwert (8%) Kalium (5%) Phosphor (3%))(NEEM: Stickstoffwert (6,1%) Kalium (2,5%) Phosphor (3,1%), die einfach auf die Oberfläche gelegt werden, sich dort langsam zersetzen und ihre Nährstoffe an den Boden und damit die Pflanze abgeben. Nach gut 4 Wochen werden diese einfach neu aufgelegt und die Reste der alten Düngekugeln entfernt.
Gedüngt werden kann von April bis Oktober.
Ich selbst dünge nur noch mit Düngekugeln und 1x im Monat mache ich eine Blattdüngung, mit normalem Flüssigdünger wo ich dann alle oberirdischen grünen Teile der Bonsai gut nass mache.
Wie gießen oder wie viel Zeit habe ich zum Gießen.

Diese Frage ist nicht ganz unwichtig, denn wenn ich nur 1x am Tag Zeit habe meine Bonsai zu gießen, dann kann ein sehr Wasserdurchlässiges Substrat im Sommer tagsüber  einfach zu schnell austrocknen. Hier muss man seine Erde also auch seinem eigenen Gießverhalten/Möglichkeiten anpassen.
Wenn man nicht so oft gießen kann, sollte man den Organischen Teil im Substrat erhöhen um eine ausreichende Feuchtigkeit im Substrat zu gewährleisten. Natürlich sollte man den Organischen Teil, also z.B. den Rindenhumus, nicht soweit erhöhen das das danze Konzept des modernen Substrates auf den Kopf gestellt wird. Hat man dagegen die Zeit öfters zu gießen kann man den Organischen Teil auch weiter reduzieren. Hierbei muß man einen Kompromiss finden zwischen den eigenen Möglichkeiten die Bonsai zu wässern und den Bedürfnissen der Bonsai finden.

Benötigtes Werkzeug:

Substrat-Sieb mit 3 Einsätzen (aus dem Fachhandel oder selber bauen)


Wie stelle ich nun mein Bonsai-Substrat her.

Mein Standard-Substrat welches ich für alle Bäume verwende stelle ich aus Lavabruch, Bimskies und Rindenhumus her.
Wenn mir Akadama und Zeolith zur Verfügung steht mische ich davon auch etwas mit in das Substrat.
Bei mir hat sich eine Mischung von 70%-80%  Anorganischem Material zu 20%-30% Organischem Material als Standard-Substart erfolgreich bewährt. Ob man nun Lava-bruch, Fibotherm, Maxit oder Perlite nimmt bleibt jedem selber überlassen. Am besten das nehmen was am leichtesten zu beschaffen ist oder einfach ein paar Versuche mit den jeweiligen Substraten machen. Je nach Pflanze (Art und Alter) wird der Anorganische Teil erhöht oder verringert.

Ich besorge mir Lava und Bims-Kies in den folgenden Körnungen:

Bims 2-4mm und 2-8mm
Lava 2-4mm und 2-8mm

Dieses wird dann mittels eines Siebes in 3 verschiedene Körnungen gesiebt, so dass ich dann jeweils eine Feine, eine Mittlere und eine Grobe Mischung Lava und Bims habe.

Um diese einfacher zu lagern habe ich mir Sandsäcke besorgt wie sie bei Überschwemmungen benutzt werden und lagere darin die fertig gesiebten Substrate.
Ganz wichtig ist alle Substrate, egal ob Bims oder Lava gründlich zu waschen um die ganzen Feinanteile die uns später die Erde verschlämmen könnten auszuwaschen.

So vorbereitet kann das nächste Frühjahr kommen.

 

Die Verwendung urheberrechtlich geschützter Namen beabsichtigen nicht in fremde
Urheberrechte einzugreifen oder diese zu verletzten. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Rechteinhabern.
Vielen Dank an Andy und Oliver für die zur Verfügung gestellten Fotos.

3 Gedanken zu „Bonsai-Erde (Substrat)

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