Abmoosen – Warum, Wann, Wie, Tips & Tricks

Mai 24

Lange Zeit wollte ich mich mal genauer mit dem Thema Abmoosen beschäftigen und so entstand nach und nach dieser Artikel. Nachdem ich nun endlich 2 Pflanzen selber abmoose habe ich alle notwendigen Schritte auch als Fotos vorliegen und so steht der Veröffentlichung nichts mehr im Weg. Viel Spass beim Lesen und natürlich beim „Abmoosen“.
Der Artikel wird gleichzeitig in meinen Projektbereich kopiert und ist von nun an auch dort zu finden.

Abmoosen – Was ist das überhaupt.

Oft liest oder hört man vom Abmoosen 3 um Bonsai-Rohpflanzen oder sogar Teile von schon fertigen Bonsai als eigenständigen Baum zu erhalten. Das hört sich gut an und das ist es auch. Allerdings beschäftigen sich nur wenige mit diesem Thema und das ist eigentlich schade, handelt es sich beim Abmoosen doch um eine Technik mit der sehr schnell gutes Ausgangsmaterial  gewonnen werden kann

Wie funktioniert das nun eigentlich?

In der Theorie so: Durch das Abmoosen wird ein Teil einer Pflanze durch Unterbrechung des Saftflusses zur Wundkallusbildung angeregt woraus sich in einem feuchten Klima Wurzeln bilden können um das überleben der Pflanze zu garantieren.. Sobald genug Wurzeln gebildet wurden kann man diesen Teil komplett von der Ursprungspflanze trennen und erhält dadurch eine eigene, sich selbst versorgende Pflanze mit den identischen Eigenschaften der Ursprungspflanze.
Beispiel: Ein abgemooster Ast der  bereits geblüht hat wird auch als abgemooste Pflanze im nächsten Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit blühen. Eigenschaften der Ursprungspflanze gehen durch das Abmoosen also nicht verloren!

Warum macht man es?

Durch das Abmoosen kann man speziell im Bonsaibereich schnell zu Roh-Pflanzen mit Ansehnlichen Stämmen oder interessanten Stammverläufen kommen. Da hier, je nach Pflanze, bis zu Armdicke (z.B. Weiden) Stämme/Äste abgemoost werden können, überspringt man viele Entwicklungsjahre die ein Steckling zum Beispiel durchlaufen müsste. Gerade durch das Abmoosen ist es möglich Pflanzen zu vermehren die durch Stecklinge oder Samen nur schwer oder Zeitaufwendig Vermehrt werden könnten. Der Hauptgrund liegt aber meiner Meinung nach in der Gewinnung von Pflanzen die bereits sehr weit in der Entwicklung sind, also bereits über einen dicken Stamm und/oder eine gute Verzweigung verfügen.

Ein weiterer Grund liegt in der Neugestaltung des Nebari. Wie oft sieht man gute oder sogar sehr Bonsai die über kaum oder sogar gar kein vernünftiges Nebari verfügen. Durch das Abmoosen ist es möglich das Nebari komplett neu aufzubauen. Dazu wird der komplette Baum einfach direkt über dem alten Nebari abgemoost und dann im laufe der Zeit das Nebari komplett neu aufgebaut.

Technik, Wie wird abgemoost?

Im Bonsaibereich hat sich die Ringmethode als erfolgreich durchgesetzt und deswegen werde ich auch nur auf diese hier weiter eingehen.
Bei der Ringmethode wird unter einem Auge (Knoten, Nodie) ein etwa 10 bis 25mm breiter Rindenstreifen (ringsherum) entfernt. Der obere Rand der noch vorhandenen Rinde kann nun noch zusätzlich mit Wurzelhormon / Stecklingspulver eingestrichen werden um die Wurzelbildung zu fördern. Damit sich nun überhaupt Wurzeln bilden können, muss die Wunde mit einem gut wasserhaltenden Substrat (Torfmoos = Sphagnum) umgeben sein. Dazu wird das bereits angefeuchtete Sphagnum um den Trieb gewickelt und mit einer Folie umwickelt, die unten und oben zugebunden wird. Es empfiehlt ich auch das Sphagnum mit Schnüren etwas zu sichern, damit feine kleine Wurzeln nicht gleich beschädigt werden, wenn sich das Moos bewegt (Wind, gießen usw.). Damit sich das Ganze nicht durch Sonneneinwirkung zu sehr aufwärmt, kommt noch eine Alufolie darüber. Ab und zu muss kontrolliert werden ob das Moos noch feucht ist. Nach 6 bis 8 Wochen dürften sich neue Wurzeln gebildet haben. Die Wurzelbildung kann durch Wachstumspuder (Wurzelfix) und durch eine etwas trockenere Haltung der Pflanze beschleunigt werden, wobei das Moospäckchen gut feucht gehalten wird. Haben sich genug Wurzeln gebildet, wird die neue Pflanze dicht unter den Wurzeln abgeschnitten und eingetopft.


Wann macht man es am besten?

Am besten Ende April bis Ende Mai, wenn die Pflanzen schon genug Blätter (Grünmasse) gebildet haben, da der Saftfluss von den Blättern zu den Wurzeln die Kallus- und spätere Wurzelbildung fördert. Die meisten Pflanzen können dann noch im Herbst, wenn sie genug Wurzeln gebildet haben von der Mutterpflanze abgetrennt werden. Es kann aber auch nötig sein länger zu warten, dann ist der Bereich der Abmoosung abr besonders vor Frost zu schützen.

Warum funktioniert es überhaupt:

Bei den meisten Pflanzen ist es ja bekannt das Äste, Blätter und sogar Blattstücke in der Lage sind zu bewurzeln. Dies ist oft im Garten zu erleben wenn z.B. der Ast einer Pflanze auf der Erde liegt, er dort anfängt Wurzeln zu bilden. Dieses Verhalten liegt in der Regenerations- und Reaktionsfähigkeit der Pflanzen. Diese Art der Vermehrung wird „Vegetative Vermehrung“ genannt.

Beim Abmoosen passiert ganz einfach gesagt folgendes: Durch das Entfernen des Rindenstreifens stauen sich die Stoffe die durch die Photosynthese in den Blättern entstehen auf ihrem Weg nach unten in die Wurzeln in dem Bereich wo die Rinde entfernt wurde. Dadurch kommt es hier zu einer Stauung und dadurch zur Kallusbildung 4 und später zur Wurzelbildung da die Pflanze bemerkt das der Transport zu den Wurzeln unterbrochen ist und um nicht abzusterben fängt sie an in diesem Bereich (Wo wir durch die gleichmäßige Feuchtigkeit ein angenehmes Klima schaffen) neue Wurzeln zu bilden.

Was kann schiefgehen?

Der häufigste Fall ist das die Rindenentfernung nicht ordentlich gemacht wurde oder der entfernet Rindenstreifen einfach zu schmal gewählt wurde. Hierbei kann es dann passieren das die Pflanze den Entfernten Rindenbereich einfach mit Wundkallus überwuchert und dann natürlich keine neuen Wurzeln in diesem Bereich wachsen. Deshalb lieber einen etwas breiteren Rindenstreifen entfernen als einen zu schmalen. Wirkliche Richtwerte gibt es hierfür aber nicht, da hilft oft nur ausprobieren.

Hilfsmittel:

Wurzelhormon / Stecklingspulver:

In Deutschland ist das Wurzelhormon (Pulver) Rhizopon seit Ende 2008 nicht mehr zugelassen. Hier gibt es nur noch sogenannte Stecklinkspulver im Einzelhandel. Diese sind meistens aus Meeresalgen-Extrakten.

Weidenwasser:

Weidenwasser ist ein sehr altes, aber vor allem funktionierendes Hilfsmittel um Stecklinge zu bewurzeln. Seine Vorteile liegen in der preiswerten Herstellung und den geringen Kosten.

Herstellung von Weidenwasser:
Am besten nimmt man ca. einjährige Weidenruten und schneidet diese in ca. 2 bis 3cm lange Stücke. Diese werden dann mit heißem, aber nicht mehr kochendem Wasser übergossen. Als Richtlinie kann man auf ca. 300 Gramm Weidenstücke einen Liter Wasser nehmen. Diese lässt man nun ca 24 bis 32 Stunden ziehen und gießt das ganze danach durch ein Sieb ab. Die Weidenstücke können auf den Kompost und das Weidenwasser ist nun schon fertig. Dieses Weidenwasser sollte kühl und dunkel gelagert werden und ist dann bis zu 14 Tage haltbar. Man kann es zwar auch länger lagern, es ist aber umstritten ob es danach noch wirklich wirksam ist.


Anwendung von Weidenwasser:
Bei Stecklingen diese einfach einige Stunden vor dem Stecken in das Weidenwasser stellen und danach damit weiterhin gießen. Beim Abmoosen das Spagnummoos damit feucht halten.

Abmoostöpfe:

Natürlich funktioniert auch die gute alte Methode mit den Plastiktüten, aber auch für diesen Bereich gibt es mittlerweile Hilfsmittel die das Abmoosen erleichtern sollen. Die Abmoostöpfe ersparen einem das werkeln mit den Tüten und werden einfach um den Ast/Stamm gelegt und mit Spaghnummoos gefüllt, dieses gut mit z.B. Weidenwaser gewässert und zum Schluss wird der Deckel noch drauf gemacht. Im unteren Bereich gibt es ein Feuchtigkeitsreservoir das etwas Wasser aufnehmen kann und das austrocknen des Behälter verhindern soll.

Notes:

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Abmoosen
  2.  http://de.wikipedia.org/wiki/Kallus_%28Botanik%29
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Abmoosen
  4.  http://de.wikipedia.org/wiki/Kallus_%28Botanik%29

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